Bücher sind überbewertet

16.09.2020

Ich treffe kaum Menschen, die lesen wirklich mögen. Die meisten, die behaupten, dass sie Bücher mögen, mögen es nur gelesen zu haben, sie mögen die In­for­ma­tio­nen oder die Bildung, die sie daraus bekommen, aber nicht die Tätigkeit des Lesens an sich. Lesen ist für die meisten eine lästige Arbeit. Sie können die ganze Staffel einer Serie bingen und genießen jede Minute dabei, aber sie müssen sich aufraffen, mal 10 Seiten zu lesen. Es ist of­fen­sicht­lich, dass es kein Hobby für sie ist, sondern eine selbst­auf­er­leg­te Qual.

Unter Nicht­le­sern gibt es zwei Gruppen: die­je­ni­gen, die Bücher nicht mögen und sagen, dass sie sie noch nie gemocht haben (also die ehrlichen) und die­je­ni­gen, die sagen, dass sie zwar selten lesen, aber Bücher immer einen Platz in ihrem Herzen haben, weil sie in ihren jungen Jahren viel gelesen haben und sich vornehmen, wieder daran an­zu­knüp­fen.

Es ist un­glaub­lich, wie stark die Pro­gram­mie­rung funk­tio­niert, die Bücher als einen in­te­gra­ler Be­stand­teil der In­tel­li­genz in die Köpfe der Menschen in­stal­liert hat. Nicht nur halten sie daran fest, dass lesen wichtig ist und sie es auf jeden Fall tun sollten, obwohl ihr eigener Verstand dagegen re­bel­liert und ihnen tausend Gründe gibt, wieso sie lieber einer anderern Be­schäf­ti­gung nachgehen sollten, sondern sie as­so­zi­ie­ren auch "belesen sein" mit In­tel­li­genz. Gäbe es auf der Welt nur 100 Bücher und jemand hat zehn davon gelesen, während ein anderer alle gelesen hat, würde letzterer als in­tel­li­gen­ter oder weit­sich­ti­ger be­trach­tet werden. Dabei kann es sein, dass ersterer die einzig guten zehn Bücher gelesen hat und die rest­li­chen 90 nur Schrott sind und beide demnach auf dem gleichen Stand sind; oder letzterer sogar dümmer ist, dadurch dass 90% der auf­ge­nom­me­nen In­for­ma­tio­nen ihn eher in­tel­lek­tu­ell verirren lassen.

Und das ist die Realität dieser Welt: die meisten Bücher sind sinnlos. Sinnlos in dem Sinne, dass sie einen in keinster Weise wei­ter­brin­gen werden. Das ist aber der Grund, wieso viele Leute zu Büchern greifen, sie wollen etwas lernen und dadurch ihr Leben oder ir­gend­et­was in ihrem Leben ver­bes­sern. Liest man aber, weil man das Lesen genießt und man verfolgt sonst keinen anderen Zweck als die Tätigkeit selbst, ist es natürlich etwas anderes. Diese Leute dürften aber in der Min­der­heit sein.
Wenn lernen das Ziel ist, sollten Bücher am besten nicht das erste sein, das einem dabei in den Sinn kommt. Nicht nur sind viele davon gefüllt mit faktisch falschen Aussagen, sondern zwischen zwei Falsch­in­for­ma­tio­nen finden sich eine Menge unnütze In­for­ma­tio­nen.

Die meisten Bücher werden nichts als Zeit­ver­schwen­dung sein. Denk daran, wieviele du gelesen hast und jetzt denk daran, wieviele haben wirklich einen lang­an­hal­ten­den Einfluss auf dich gehabt. Und – wie sieht die Quote aus?

Auch wenn es den Eindruck erwecken mag, ich verdamme nicht Bücher als Medium. Es ist nicht die op­ti­mals­te Form der Wis­sens­ver­mitt­lung – die op­ti­mals­te war und bleibt natürlich ein guter Lehrer, der einem die Dinge in direkter Kom­mu­ni­ka­ti­on beibringt – aber es ist recht weit oben. Das schwie­ri­ge ist, dass man nach einem Diamanten in einem Haufen von Gülle suchen muss; ohne zu wissen, wie ein Diamant wirklich aussieht, denn das raus­zu­fin­den, ist Teil der Reise, wenn Bücher die einzige Quelle für einen sind. Das kann dazu führen, dass man viele viele Jahre vergeuden und seine Jugend zum Beispiel damit verbringt, Dingen an­zu­hän­gen, für die man sich später schämen wird.

Um einen die Suche zu er­leich­tern, gibt es aber einige Dau­men­re­geln, an die man sich halten kann:

  1. Meide große Buchläden. In solchen Ketten findet man oft nicht sehr viel anderes, als was man in Re­stau­rant-Fren­chise­ket­ten findet: Fast Food.
  2. Meide Best­sel­ler. Wenn ir­gend­wel­che Bücher durch die Decke gehen, ist es ein gutes Zeichen, die Finger von ihnen zu lassen. Dass etwas von Wert so stark gepusht wird, wird eher die Ausnahme sein.
  3. Höre auf Emp­feh­lun­gen von aus­ge­wähl­ten Leuten. Wenn jemand da ist, wo du auch hin willst, solltest du dich danach ori­en­tie­ren, welches Buch ihn min­des­tens die letzten Jahre am meisten be­ein­flusst hat. Es können natürlich auch zwei oder drei sein, aber wenn er sagt "Diese 15 Bücher solltest du auf jeden Fall gelesen haben", kannst du ihm den Mit­tel­fin­ger zeigen.

Und ansonsten gibt es noch zu sagen, wenn man sich für Klassiker und phi­lo­so­phi­sche Schriften in­ter­es­siert, empfiehlt es sich immer, diese im Original zu lesen, statt eine her­un­ter­ge­bro­che­ne Für-die-Masse-Version eines anderen Autors.