Denkfehler unter Spirituellen

07.02.2021

Es gibt gewisse Denk­feh­ler, die fast alle spi­ri­tu­el­len Menschen teilen – und mit spi­ri­tu­ell meine ich hier mehr die New-Age- und Neugeist-Bewegung, also Denk­rich­tun­gen, die etwa ab dem 20. Jahr­hun­derts populär geworden sind und nicht die klas­si­sche religiöse Spi­ri­tua­li­tät. Darunter wären

1. Ver­leug­nung des Ma­te­ri­el­len

Ihr Grundsatz ist nicht, dass wir ma­te­ri­el­le Wesen sind, die spi­ri­tu­el­le Er­fah­run­gen machen können, sondern dass wir spi­ri­tu­el­le Wesen sind, die ma­te­ri­el­le Er­fah­run­gen machen. Dem­entspre­chend finden sie für alle welt­li­chen Phänomene, denen wir un­ter­wor­fen sind, eine geistige Erklärung. Egal um welche Probleme es geht, zu den üblichen Er­klä­rungs­me­tho­den gibt es immer auch eine geistige Kom­po­nen­te. So dass man zu allem als Antwort positives Denken, Me­di­ta­ti­on usw. bekommt.

Dass wir aber in erster Linie bio­lo­gi­sche Wesen sind, wird völlig außer Acht gelasst. Es wird nicht beachtet, dass sie höchstens ein paar Stunden, nachdem sie einem geistige Lösungen für ein ma­te­ri­el­les Problem gegeben haben, wieder etwas essen müssen; und später am Abend müde werden und schlafen müssen – also bio­lo­gi­schen Zyklen un­ter­wor­fen sind. Über solche all­täg­li­chen bio­lo­gi­schen Rhythmen wird aber nie ge­spro­chen, nur über Anomalien wie Krank­hei­ten, obwohl diese auf den gleichen Grund­la­gen im exakt gleichen Körper beruhen.

Diese Her­an­ge­hens­wei­se beruht auf mehreren Thesen, die ihrem Weltbild zugrunde liegen. Darunter fallen 1. "Gedanken be­ein­flus­sen Materie" und

2. "Alles ist eins"

Ich will nicht behaupten, dass dies nicht auf ir­gend­ei­ner Ebene wahr ist; mir geht es viel mehr darum, auf welch falsche Weisen das auf­ge­fasst wird und zu welchen irr­sin­ni­gen Schlüssen Menschen deswegen kommen.

Die Be­haup­tung, dass es ein Uni­ver­sa­les Be­wusst­sein gibt, das das gesamte Universum durch­dringt und so uns auf ir­gend­ei­ne Weise mit­ein­an­der verbindet, lässt viele spi­ri­tu­el­le Menschen Dinge denken wie "Dieses Uni­ver­sa­le Be­wusst­sein, das man auch gött­li­ches Prinzip nennt, durch­dringt alles, auch mich, also bin ich auch Gott" und "Wenn wir alle dadurch verbunden sind, gibt es keinen Un­ter­schied zwischen mir und dir, wir sind beide eins". Was beides natürlich total FALSCH ist. Es gibt sehr wohl einen Un­ter­schied zwischen Menschen und wir sind auch alles komplett getrennte Wesen. Dennoch ist die Theorie des Uni­ver­sa­len Be­wusst­seins nicht wirklich abstrus. Wieso viele aber die Existenz eines alles durch­drin­gen­den Geistes und die Trennung der Menschen nicht ver­ein­ba­ren können, liegt am Mangel der Kenntnis von Di­men­sio­nen.

Wenn wir mit­ein­an­der verbunden sind, dann in einer höheren Dimension. Auf der räum­li­chen – drei­di­men­sio­na­len Ebene – sind wir von­ein­an­der getrennt. Das kann man ganz einfach ver­an­schau­li­chen, indem man ein Blatt Papier nimmt und zwei Punkte darauf macht. Die Punkte sind verbunden auf der zwei­di­men­sio­na­len Ebene, da sie Teil des gleichen Blattes sind, aber auf der ein­di­men­sio­na­len Ebene sind sie getrennt von­ein­an­der. Genauso sind wir räumlich von anderen Menschen getrennt und bei all den sozialen, bio­lo­gi­schen, phy­si­ka­li­schen Gesetzen, denen wir un­ter­wor­fen sind, spielen die höheren Di­men­sio­nen, in denen wir po­ten­ti­ell verbunden sind, keine Rolle, da all diese Gesetze innerhalb von drei, maximal vier, Di­men­sio­nen funk­tio­nie­ren.

Ich habe schon Versuche gesehen, dieses Uni­ver­sa­le Be­wusst­sein irgendwie zu mo­del­lie­ren oder zumindest greifbar zu machen. Diese Modelle werden aber natürlich immer verzerrte Resultate zustande bringen, da uns schlicht­weg die Vor­stel­lungs­kraft über höhere Di­men­sio­nen fehlt. Um das zu ver­an­schau­li­chen, benutze ich dafür immer gerne die Schat­ten­ana­lo­gie:

Nehmen wir dich als drei­di­men­sio­na­les Wesen und schauen uns deinen Schatten an, der zwei­di­men­sio­nal ist. Nehmen wir an, es gäbe jemanden, der nicht dazu in der Lage ist drei­di­men­sio­na­le Objekte zu sehen, sondern nur die Schatten dieser. Wieviel könnte er über dich sagen nur aufgrund des Schattens? Wie genau wäre sein Bild von dir? Wieviel an In­for­ma­ti­on würde ihm fehlen, weil er blind für eine Dimension ist?

Nehmen wir jetzt an, Schatten könnten Schatten werfen. Sie wären demnach ein­di­men­sio­nal – also ein Strich. Wenn jetzt jemand blind für die zweite und dritte Dimension wäre und nur ein­di­men­sio­nal sehen könnte, würde alles wie Striche für ihn aussehen. Wieviel In­for­ma­ti­on geht von deinem Schatten, ge­schwei­ge denn von deinem drei­di­men­sio­na­len Körper verloren?

Wenn man den Gedanken wei­ter­spinnt, sind wir nur Schatten einer noch höheren Dimension. Wieviel kann ich über dein fünf- oder sechs­di­men­sio­na­les Ich sagen, wenn ich deinen drei­di­men­sio­na­len Körper angucke? Die Menge an In­for­ma­ti­on, die mir über eine höhere Dimension fehlt, ist so un­vor­stell­bar hoch, wenn man bedenkt, dass es so scheint, als ob der In­for­ma­ti­ons­ver­lust von Dimension zu Dimension nicht linear, sondern ex­po­nen­ti­ell ist, denn ein Schatten sagt un­ver­hält­nis­mä­ßig mehr über ein Objekt aus als ein Strich.

Was ist, wenn wir auf der siebten Dimension mit­ein­an­der verbunden sind? Spielt es wirklich eine Rolle für uns, die wir Schatten eines Schattens eines Schattens usw. sind? Wie groß kann der Einfluss auf uns sein und ist er wirklich größer als die ma­te­ri­el­len Ge­ge­ben­hei­ten, denen wir un­ter­wor­fen sind? Und falls doch ein merk­li­cher Einfluss da ist und es Menschen gibt, die von prak­ti­schen Er­fah­run­gen erzählen können, dann steht zumindest fest, dass diese es nicht auf stich­hal­te Weise werden erklären können. Spi­ri­tua­li­tät sollte immer Praxis sein. Aus­schließ­lich Praxis. Jeder Versuch es in Worte zu fassen, wird es ad absurdum führen.