Die Erde ist flach für uns

19.08.2020

Bei der in den letzten Jahren beliebter ge­wor­de­nem Thema, ob die Erde flach ist oder nicht, wurde von beiden Seiten viel gesagt und jeder versucht die Argumente um wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se, Be­rech­nun­gen etc. drehen zu lassen. Was aber von beiden Seiten (vor allem von der Runde-Erde-Seite) übersehen wird, ist die Tatsache, dass dies überhaupt zur Debatte steht. Dass es Leute gibt, die sagen, dass die Erde flach ist und die Ge­gen­sei­te es erstmal ar­gu­men­ta­tiv ent­kräf­ten muss, zeigt, dass wir sie als flach wahr­neh­men. Es ist keine of­fen­sicht­li­che Sache; es ist nicht so, als hätte jemand gesagt "Der Himmel ist pink" – darauf bräuchte man nur ein "Nun, dann öffne deine Augen" erwidern und die Debatte wäre vorbei.

Ob die Erde tat­säch­lich rund ist oder nicht, könnte ir­rele­van­ter nicht sein. Viele haben oft das Gefühl, dass es wichtig wäre, sie für rund zu halten, doch die Er­kennt­nis über die wahre Form der Erde be­ein­flusst unser Leben in keinster Weise. Man könnte sie sogar in die Kategorie "Unnützes Wissen" packen. Wichtig ist nur eine Sache: Wie nehmen wir sie wahr?

Unsere Sinne und unsere Wahr­neh­mung sind das Resultat von vielen Millionen Jahren Evolution. Das, was wir zum und im Leben brauchen, hat sich zeit­gleich damit ent­wi­ckelt, was wir aufnehmen und ver­ar­bei­ten können, sodass beide Dinge perfekt auf­ein­an­der ab­ge­stimmt sind. Wir wissen, dass wir nur einen Teil des Farb­spek­trums sehen können oder dass wir nur einen bestimmt Fre­quenz­be­reich hören können. Alles, was darunter oder darüber liegt nehmen wir nicht mehr wahr, weil es für uns nicht relevant ist. Die Evolution hat unsere Sinne so gefiltert, dass für uns Über­flüs­si­ges nicht mehr Teil unserer Realität ist. Während andere Tiere andere Spektren der Wahr­neh­mung haben, je nach Beute, Feinde und Umgebung, die für ihr Leben relevant sind. Es wäre fatal für eine Fle­der­maus, wenn sie den gleichen Fre­quenz­be­reich hören könnte wie der Mensch.

Dieser Hang zum An­ti­in­tui­ti­vem zieht sich aber durch alle Le­bens­be­rei­che. Biologen sagen uns, dass unsere Emotionen ihre Ursache darin haben, dass gewisse Organe gewisse Hormone aus­schüt­ten und dass es am Ende nichts weiter ist als Chemie. Mögen wir uns nur einmal vor­stel­len, was es für Folgen hätte, wenn wir uns davon so be­ein­flus­sen ließen, dass wir es tat­säch­lich so behandeln würden. Alle sozialen In­ter­ak­tio­nen würden zum Erliegen kommen. Alles Freude und Leid wäre be­deu­tungs­los. Wäre jemand wütend auf uns, würden wir nicht mal die Gefahr erkennen und es einfach als che­mi­schen Prozess abtun uns so am Ende eventuell umkommen.

Dass die Erde rein intuitiv flach auf uns wirkt, ist kein Zufall. Es ist so, weil die Evolution es so ein­ge­rich­tet hat. Es ist so, weil die Natur es für unser Wohl­erge­hen so am sinn­volls­ten erachtet.

Es kommt ebenfalls nicht von ungefähr, dass es so erscheint, als würden sich alle Him­mels­kör­per um die Erde drehen. Es erscheint so, weil wir auf dieser Basis die besten und na­tür­lichs­ten Ent­schei­dun­gen treffen können. Gehen wir dem entgegen, handeln wir gegen das, was die Natur für uns am besten erachtet hat. Und alles Un­na­tür­li­che ist verdammt zu Krankheit und Zerfall.