Die hinreichende Bedingung für Gott

02.09.2021

Es gibt viele Menschen draußen, denen, wenn sie mit dem Gedanken kon­fron­tiert werden, dass es keinen Gott gibt, ein un­an­ge­neh­mes Gefühl be­schleicht: Was hat das Leben für einen Sinn ohne Gott? Woher soll man wissen was richtig und falsch ist, ohne dass der Er­schaf­fer der Welten es einem vor­ge­ge­ben hat? Sie sind sind so tief­pro­gram­miert von der Religion, dass sie erst einmal vor einer riesigen Leere stehen würden, wenn man Gott aus ihrem Leben entfernte.

Tat­säch­lich trifft es auf die meisten Menschen zu, nicht einmal vor Atheisten macht es Halt. Schaut man sich die bekannten Vetreter des Atheismus an, stellt man fest, dass sie zwei Dinge pro­pa­gie­ren: 1. Das Leben ohne Gott und 2. Ir­gend­ei­ne andere Ideologie; sei es Wis­senchaft, sei es Hu­ma­nis­mus oder sei es Uti­li­ta­ris­mus. Sie brauchen eine andere Lehre, die die Leere füllt, die Religion hin­ter­las­sen hat. Sie sind sich selbst nicht genug.

Isst man eine leckere Mahlzeit und fühlt sich gut, weil es einem sehr gut schmeckt, wieso lohnt es sich nicht sich gut zu fühlen, un­ab­hän­gig von Gott? Wieso hat es keinen Sinn Spaß zu haben, un­ab­hän­gig davon, ob Gott existiert oder nicht? Doch die meisten Menschen können nicht so denken; sie denken, Spaß ist für den Moment, doch was gibt einem eine lang­fris­ti­ge Richtung im Leben? Alles, was nicht Selbst­auf­ga­be ist, geben sie den Titel He­do­nis­mus (selbst wenn es nicht einmal stimmt) und be­trach­ten es als Todfeind. Auch die meisten, die nicht mehr an Gott glauben, würden nicht damit klar­kom­men, wenn sie keine andere Phi­lo­so­phie oder po­li­ti­sche Richtung in ihrem Leben hätten. Sie müssen sich irgendwo andocken.

Das ist leider die Realität der Welt. Die Kon­se­quenz daraus ist, dass sich der eine hier andockt, der andere da. Man hat eine Ge­sell­schaft, die in hundert ver­schie­de­ne Rich­tun­gen zieht. Oder es gewinnt eine Phi­lo­so­phie an Po­pu­la­ri­tät, die sehr de­struk­tiv für den Einzelnen und demnach auch für die All­ge­mein­heit ist. Oder Leute hängen sich an wirt­schaft­li­che und staat­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen, be­trach­ten sie als Au­to­ri­tä­ten und lassen sich aufgrund von falschen Tatsachen für die so­ge­nann­te Si­cher­heit ihre Freiheit von ihnen rauben. Solange Menschen eine Leere im Leben haben, wenn man Gott daraus entfernt, ist es für andere gerissene Menschen ein Leichtes dies für eigene In­ter­es­sen ausnutzen.

Die Natur der meisten Menschen kann man nicht ändern; man kann nicht ändern, dass sie sich irgendwo andocken müssen. Doch wenn sie es schon müssen, dann doch lieber an Gott. Auch die Rolle als eine religiöse Autorität wurde zwar immer und immer wieder von Menschen für ihre eigenen In­ter­es­sen aus­ge­nutzt, dennoch ist Gott als Konzept sehr viel stabiler. Re­li­gio­nen blicken auf eine lange Ge­schich­te zurück und man muss nicht spe­ku­lie­ren, ob es sich lohnt eine religiöse Ge­sell­schaft zu haben oder nicht. Wo­hin­ge­gen die Le­gi­ti­mi­tät von neu­mo­di­schen hirn­ris­si­gen Phi­lo­so­phi­en sehr wohl zur Debatte stehen.

Während ich nun darüber nach­dach­te, ob es überhaupt Sinn ergibt, jemanden glaubhaft zu machen, dass er etwas pro­pa­gie­ren solle, an dessen Existenz er nicht einmal glaube, ist mir eine sehr wichtige Sache auf­ge­fal­len: bei Gott ging es nie um die tat­säch­li­che und reale Existenz, sondern um eine zweck­ge­bun­de­ne. Mit zweck­ge­bun­den meine ich nicht, dass die Existenz einen Zweck erfüllt – das tut die Existenz von fast jeder Sache -, sondern der Glaube daran, selbst wenn er nicht wirklich existiert, einen Zweck erfüllt. Die Tasse aus der ich Wasser trinke ist real real, das bedeutet, wenn sie nicht exis­tie­ren würde und ich daran glaube, dass sie existiert, würde es keinen Zweck erfüllen, der Glaube hat also keinen Sinn. Es mag sein, dass Gott ebenfalls real real ist, doch selbst wenn er es nicht ist, ist er min­des­tens zweck­ge­bun­den real.

Die meisten Menschen würden wie gesagt nicht ohne Gott klar­kom­men, Gott erfüllt also den Zweck ihnen Ordnung und Sinn im Leben zu geben. Ich wiederum sehe, dass die Ge­sell­schaft in eine völlig de­struk­ti­ve Richtung läuft ohne Gott und schluss­fol­ge­re daraus, dass er notwendig ist, um ihr Ordnung und Sinn zu geben. Für den einen erfüllt der Glaube an Gott also einen in­di­vi­du­el­len Zweck, für mich einen ge­sell­schaft­li­chen – es gibt nicht wirklich einen Un­ter­schied. In beiden Fällen existiert er; nicht real real, aber zweck­ge­bun­den real.

Diese zweck­ge­bun­de­ne Existenz können wir auch in anderen Fällen be­ob­ach­ten, bspw. im Falle von Weih­nach­ten. Man feiert an Weih­nach­ten die Geburt Jesu und das tut man, indem man mit der Familie zu­sam­men­kommt. Es hat sich also über die Zeit zu einem Fa­mi­li­en­fest ent­wi­ckelt. Nun gibt es Theorien darüber, dass Jesus in Wirk­lich­keit gar nicht am 25. Dezember geboren ist, sondern ei­gent­lich im Sommer zur Welt kam. Zu­sätz­lich sagt man, dass Weih­nach­ten ur­sprüng­lich ein heid­ni­sches Fest war und die Christen es nur über­nom­men haben. All das hat aber nichts an der Le­gi­ti­mi­tät von Weih­nach­ten verändert, denn der ei­gent­li­che Sinn es, dass es den Menschen ein Fa­mi­li­en­fest gibt. Demnach ist Jesus zweck­ge­bun­den am 25. Dezember auf die Welt gekommen, selbst wenn es gar nicht der real reale Ge­burts­tag der his­to­ri­schen Person Jesus war.