Ernährungswissenschaft ist ein Oxymoron

10.09.2020

Er­näh­rungs­wis­sen­schaft ist so einer dieser Witze, die sich zieht und zieht und die Pointe kommt nie. Generell ist der ganze Er­näh­rungs­be­reich mit seinen ganzen Trends, Studien, tausenden ver­schie­de­nen In­ter­es­sen usw. der wohl chao­tischs­te und un­über­sicht­lichs­te Haufen unserer Zeit. Alle paar Jahre kommt die ul­ti­ma­ti­ve Er­näh­rungs­wei­se, der beste Ab­nehm­plan, die Weise schlecht­hin, gesund zu leben. Und immer wird sich auf ir­gend­wel­che Studien und Leuten mit aka­de­mi­schen Titeln berufen, damit auch jeder merkt, dass es auf jeden Fall Kre­di­bi­li­tät hat. Dass sich die ganzen ver­schie­de­nen Ansätze alle un­ter­schei­den und teilweise sich auch wi­der­spre­chen ist dabei natürlich egal, haupt­sa­che man kann sich auf In­sti­tu­tio­nen und Menschen berufen, die viele als Autorität wahr­neh­men.

Der ganze Bereich erlebt so einen Boom, weil Menschen heut­zu­ta­ge un­ge­sün­der leben, als jemals zuvor in der Ge­schich­te. Die Zahl der Volks­krank­hei­ten, der psy­chi­schen Krank­hei­ten usw. schießt durch die Decke und viele suchen nach einer guten Lösung dagegen. Das Problem ist aber ei­gent­lich jedem klar. Denn um die Antwort zu finden, müsste man sich nur fragen "Was essen Menschen heute, was sie vor tausenden Jahren nicht gegessen haben?" und "Wie un­ter­schei­den sich die Mengen von diesen Dingen im Vergleich zu früher?" Die Sachen, die auf dieser Liste stehen werden, müsste man nur weglassen oder ent­spre­chend her­un­ter­schrau­ben und dann hat man seine optimale Er­näh­rungs­form.

Der falsche Umgang mit Studien

Sich in Sachen Ernährung auf ir­gend­wel­che Studien zu verlassen, ist die wohl naivste und un­wei­ses­te Ent­schei­dung, die man treffen kann. Es ist natürlich nicht so, dass wis­sen­schaft­li­che Er­geb­nis­se uns nichts sagen können, aber sie sollten nicht ent­schei­dend für uns sein, d.h. wir sollten nicht plötzlich unsere Richtung ändern, weil sie den Er­geb­nis­sen einer Studie wi­der­spricht. Sie sollten eher immer be­stä­ti­gend sein. Wenn eine Un­ter­su­chung zu dem Ergebnis kommt, dass das, was wir ohnehin tun, das richtige ist, können wir uns bestätigt sehen. Kommt sie zu einem anderen Ergebnis, kann es uns egal sein.

Was erstmal extrem ignorant klingt, hat System. Denn ich sage nicht, dass es ganz egal ist, was wir essen, sondern ent­schei­dend ist, dass wir essen, was unser Körper am besten aufnimmt. Jedem ist klar, dass wenn er etwas isst und danach Ver­dau­ungs­pro­ble­me oder Durchfall hat, es nicht gut für ihn war. Da kann noch so eine Autorität etwas anderes sagen, solange dein Körper dem wi­der­spricht, werden alle anderen Stimmen ignoriert. Aber wir sollten nicht nur in solchen Ex­trem­fäl­len auf­merk­sam werden. Wenn du etwas isst und danach träge bist oder das Essen schwer im Magen liegt oder auch, wenn du Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten hast, ist es ebenfalls ein Zeichen dafür, dass dein Körper es nicht gut aufnehmen kann und du das am besten nie wieder essen solltest.

Wenn deine Er­näh­rungs­wei­se dafür sorgt, dass du mehrmals am Tag das große Geschäft ver­rich­ten musst, ist es ebenfalls ein schlech­tes Zeichen. Ich habe oft bei Veganern gesehen, dass sie es als ein Pluspunkt werten, weil sie meinen, dass ihre pflan­zen­ba­sier­te Ernährung ihre Verdauung ankurbelt. Aber man muss es be­trach­ten, als was es ist: Wir essen, um Nähr­stof­fe auf­zu­neh­men. Je nähr­stoff­rei­cher unser Essen ist und je bio­ver­füg­ba­rer diese Nähr­stof­fe sind, desto besser. Denn der Körper wird versuchen so viel wie möglich von dem, was du zu dir nimmst, zu verwerten. Wenn du aber eine große Menge von dem wieder aus­schei­den musst, heißt es, dein Körper kann nichts damit anfangen. Sonst hätte er es ja behalten. Wenn du aber jetzt sagst, du hast nur Sachen gegessen, die ganz offiziell nähr­stoff­reich sind, dann darfst du nicht vergessen, dass es egal ist, welche Nähr­stof­fe drin sind, solange sie in einer Form dort ge­spei­chert sind, die der Körper nicht verwerten kann.

Das gleiche gilt für Wasser. Uns wird immer gesagt, wir sollten am besten 2-3 Liter Wasser am Tag trinken. Aber je mehr man trinkt, desto öfter muss man auf die Toilette. Wenn der Körper wirklich diese 2 Liter braucht, wieso scheidet er dann so viel davon so schnell wieder aus?
Man muss einfach für sich das beste Gleich­ge­wicht finden. Und je mehr man auf diese Signale achtet, desto besser wird man darin. Nach einer Zeit werden einem auch subtilere Dinge auffallen oder man lernt diese Signale besser zu in­ter­pre­tie­ren. – Dein Körper redet mit dir, hör auf ihn.

Autorität

Der Körper ist die einzige Autorität. Wie hoch du die Wis­sen­schaft auch ansehen magst, ihr kann man in Belangen der Ernährung nicht vertrauen. In meinem Post über Medizin hatte ich schon mal den Bericht von Professor John Ioannidis an­ge­spro­chen, in dem er belegte, dass die meisten For­schungs­er­geb­nis­se schlicht­weg falsch sind. Das sollte man immer im Hin­ter­kopf behalten und sich niemals zu sehr auf Studien verlassen. Vor allem nicht, wenn sie ganz klar gegen deine eigene Sinne gehen, sprich wenn sie ganz klar gegen das gehen, wozu du auf ganz na­tür­li­che Weise neigst.

Das Problem ist aber noch tief­grei­fen­der. Man muss rea­li­sie­ren, dass diese Modelle, auf die diese For­schun­gen beruhen, ebenfalls falsch sind. Das heutige Ver­ständ­nis davon, was wir für Vitamine, Proteine, Mi­ne­ral­stof­fe usw. auf jeden Fall zum Leben brauchen, ist un­voll­stän­dig. Nehmen wir an, es gibt ir­gend­ei­nen Mi­kro­nähr­stoff, den unser Körper braucht, der aber noch nicht mal entdeckt wurde. Viel­leicht wird er erst entdeckt in 40 Jahren. Willst du in den nächsten 40 Jahren deine Ernährung nach "Experten" richten, die un­voll­stän­di­ges Wissen über das Thema haben?

Der einzige Experte kann nur dein Körper sein. Nur er weiß 100% von dem, was er braucht, was er nicht braucht, was er verwerten kann und womit er nichts anfangen kann – und er sagt es dir. Wenn es dir an einem gewissen Nährstoff mangelt, wirst du Lust haben etwas zu essen, was reich ist an diesem Nährstoff. Und diesem Signal musst du folgen. Dabei ist es egal, was es ist, du musst nicht über den Aufbau der Moleküle Bescheid wissen, das ist nicht deine Aufgabe. Es ist ebenfalls nicht deine Aufgabe, deinen Herz­schlag, deine Atmung usw. zu kon­trol­lie­ren, überlasse es deinem Körper.

Und höre auf sonst niemanden, als auf dich selbst. Jeder, der dem wi­der­spricht, versucht dir entweder etwas zu verkaufen oder ist auf jemanden rein­ge­fal­len, der versucht hat, etwas zu verkaufen. So wie die me­di­zi­ni­sche Forschung dominiert wird von der Phar­ma­in­dus­trie, wird die Er­näh­rungs­wis­sen­schaft dominiert von der Le­bens­mit­tel­in­dus­trie. Aber auch den ganzen Er­näh­rungs­be­ra­tern, Coaches usw. Und höchst­wahr­schein­lich sogar auch wieder von der Phar­ma­in­dus­trie. Denn wenn man bedenkt, dass es Le­bens­mit­tel gibt, die die Ge­sund­heit be­ein­träch­ti­gen, würden Her­stel­ler von Me­di­ka­men­ten natürlich Interesse haben, wenn die Zahl der Kunden steigt und deswegen gewisse Bereiche fi­nan­zi­ell un­ter­stütz­ten. Und man darf auch nicht vergessen, dass ein gewisser Er­näh­rungs­trend, die die letzten Jahre immer populärer wird, nicht machbar ist ohne den Konsum von Sup­ple­ments. Und wer stellt diese her?