Glück ist überbewertet

06.07.2021

Wenn wir uns zu sehr auf Schicksal oder Zufall verlassen, nimmt es uns unsere Mo­ti­va­ti­on zu handeln. Wir werden wie Blätter im Wind sein, ohn­mäch­tig und komplett den Luft­strö­men aus­ge­lie­fert. Zwar stimmt es, dass die Zukunft ungewiss ist, aber nicht alles, was passiert, muss uns treffen. Wie klug wir heute handeln bestimmt wieviel Glück wir morgen haben.

Es gibt Regeln für das Glück: denn für den Klugen ist nicht alles Zufall. Die Bemühung kann dem Glücke nach­hel­fen. Einige begnügen sich damit, sich wohlgemut an das Tor der Glücks­göt­tin zu stellen und zu erwarten, daß sie öffne. Andere, schon besser, streben vorwärts und machen ihre kluge Kühnheit geltend, damit sie, auf den Flügeln ihres Wertes und ihrer Tap­fer­keit, die Göttin erreichen und ihre Gunst gewinnen mögen. Jedoch richtig phi­lo­so­phiert, gibt es keinen andern Weg als den der Tugend und Umsicht; indem Jeder gerade so viel Glück und so viel Unglück hat, als Klugheit oder Un­klug­heit.
– Baltasar Gracián[1]


  1. Aus "Han­d­ora­kel und Kunst der Welt­klug­keit" (Über­set­zung von Arthur Scho­pen­hau­er)