Ideen und Assoziationen

04.09.2020

Leute, die viele gute Ideen haben, scheinen die Ideen nie aus­zu­ge­hen, während andere mal mit Glück auf welche kommen. Erfahrene Stand-Up-Comedians, die schon einige Programme hinter sich haben, stellen schneller bessere neue Programme zusammen, als ein Anfänger, der wahr­schein­lich länger vor einem leeren Blatt sitzt. Die Suche nach Ideen als Tätigkeit ist aber ir­re­füh­rend, Krea­ti­vi­tät funk­tio­niert durch As­so­zia­tio­nen. Wir denken jeden Tag an unzählige Dinge; die Kunst besteht also nicht darin an bessere Dinge zu denken, sondern das Gedachte zu be­ob­ach­ten. Nicht bewusst, eher peripher, aber in­tro­spek­tiv, statt auf die Umgebung fo­kus­siert. Wenn man sich bspw. auf einer neuen Social Media-Seite anmeldet und da bereits bekannte Per­sön­lich­kei­ten sind, die jeden Tag viel in­ter­es­san­tes posten und man selbst kaum Einfälle für Posts hat, liegt es nicht etwa daran, dass sie sehr viel kreativer als man selbst sind, sondern sie den ganzen Tag ein Hin­ter­grund­pro­gramm im Kopf laufen haben, das sich sofort in den Vor­der­grund rückt, sobald sie an etwas po­ten­ti­ell in­ter­es­san­tes denken. Der Un­ter­schied liegt also darin, dass ihr Programm sofort einen As­so­zia­ti­on zwischen dem Gedanken und ihrem Profil herstellt – während sehr viele andere auch an das gleiche gedacht haben, aber das Programm nicht lief und so der Gedanke einfach vor­über­ge­zo­gen ist. Wie kann man dieses Programm ak­ti­vie­ren? Mir ist nicht klar, ob es bewusst geht, es ist eher etwas, das das Gehirn für einen übernimmt. Der Fokus des Programms wird immer eine Sache sein, die für einen in letzter Zeit eine Art Haupt­be­schäf­ti­gung dar­ge­stellt hat.