Informationen verändern einen nicht

24.06.2021

Früher dachte ich, dass Menschen aufgrund von Tatsachen verändert werden können. Wenn ich etwas neues gelernt habe, das mir die Augen geöffnet hat, meinte ich, dass ich diese In­for­ma­tio­nen nur wei­ter­ge­ben müsste, um bei anderen den gleichen Effekt zu erzielen wie bei mir selbst. Doch ich wurde immer und immer wieder eines besseren belehrt. Die In­for­ma­tio­nen, die ich fand, waren ja nicht mir vor­ent­hal­ten, etliche andere Menschen sahen genau das selbe, hatten aber einen ganz anderen Effekt bei ihnen.

Inwieweit uns etwas be­ein­flusst, hängt von unserem Grad der Pro­gram­mie­rung ab. Heute bin ich überzeugt, dass das Wesen eines Menschen sich nicht verändert. Dass es nichts gibt, was einen die Augen öffnet; dass die Augen immer schon geöffnet waren, man es nur nie bemerkt hat, weil man mit falschen De­fi­ni­tio­nen für geöffnete Augen gefüttert wurde. Wessen Augen ge­schlos­sen sind, bleiben ge­schlos­sen.

Im Rückblick fällt mir auf, dass selbst wenn ich früher zu gewissen Dingen ganz andere Meinungen hatte, meine Her­an­ge­hens­wei­se an sie immer die gleiche war wie heute. Bei­spiels­wei­se kann ein skep­ti­scher oder selbst­den­ken­der Mensch im Laufe seines Lebens immer wieder andere Meinungen annehmen, er wird aber nie mit ihnen hausieren gehen oder sie mit Selbst­über­zeu­gung rü­ber­brin­gen, wenn er sie nicht selbst be­stä­ti­gen konnte. Sie kann noch so logisch klingen, aber wenn sie nicht ein­wand­frei durch eigene Erfahrung bewiesen wurde, wird er sich damit zu­rück­hal­ten, sie sich auf die Fahne zu schreiben. Ein pro­gram­mier­ter Mensch tut genau das Gegenteil, er sucht sich Au­to­ri­tä­ten aus und stellt sich voll und ganz hinter ihnen und was auch immer ihnen wi­der­spricht, wird er lä­cher­lich machen und bekämpfen.

Was anderes ist selber denken, als die Welt durch die Brille einer neues Meinung zu sehen? Den alten Filter abzulegen und zu schauen, ob sie mit dem neuen Filter immer noch Sinn ergibt. Oder viel­leicht sogar noch mehr Sinn ergibt und man plötzlich Dinge erklären kann, die davor noch keine klaren Antworten hatten. Einem pro­gram­mier­ten Menschen wird dieser Schritt unmöglich sein, es kann nichts sein, was nicht sein darf.

Viele Menschen in einem halb­pro­gram­mier­ten Zustand werden in­stink­tiv spüren, was die Wahrheit ist und einem auch jede Aussage zustimmen, aber es wird sie trotzdem nicht verändern und wenn man sie das nächste mal wieder sieht und das Thema wieder aufkommt, ist es so, als ob das Gespräch davor nicht statt­ge­fun­den hat; die Dinge, denen sie zu­ge­stimmt haben, haben keine Ver­än­de­rung in ihnen ausgelöst. Der pro­gram­mier­te Teil in ihrem Wesen ist viel zu stark und wird sie immer wieder zu­rück­zie­hen, ganz egal, wie oft sie theo­re­tisch zu anderen Schlüssen kommen.