Kalte Atomwaffen

01.02.2021

Mir ist letztens aus ir­gend­ei­nem Grund wieder eine Aussage von Gary Vay­ner­chuk ein­ge­fal­len, die er 2019 in einem jähr­li­chen Meeting mit seinen Prak­ti­kan­ten getätigt hat.[1] Auf eine Frage nach der Ent­wick­lung von Social Media, besonders bezüglich der Sucht vieler junger Leute danach, sagte er, dass wir nicht süchtig sind nach Social Media, sondern nach mensch­li­cher In­ter­ak­ti­on. Dass es uns nicht verändert, sondern nur exposed. Dass der Grund, wieso wir seit 70 Jahren Atom­waf­fen haben, aber noch alle am Leben sind, der ist, dass wir uns mögen.

Auch wenn ich ei­gent­lich kein Pessimist bin, glaube ich nicht, dass die Nächs­ten­lie­be der Grund ist, wieso es die Welt noch gibt. Ich hatte über dieses Prinzip in anderen Posts schon ge­schrie­ben, aber wenn es um etwas wie Atom­waf­fen geht, die einen un­wei­ger­lich globalen Einfluss haben werden, sind es nicht mehr einzelne In­di­vi­du­en, die darüber ent­schei­den, sondern die Staaten als eigene Einheiten.[2] Ein Staat, der sich dazu ent­schlie­ßen würde sie ein­zu­set­zen, würde Russisch Roulette spielen. Und solange er nicht le­bens­mü­de ist, wird er immer Wege wählen, die die Menschen in Gefahr bringt, aber nicht selbst.


  1. "This Is My Favorite Meeting Every Year | Fireside Chat With 2019 Summer Interns" ab 20:00
  2. Siehe dazu u.a. meine Posts "Der Grund von allem. Oder: Die Buch­sta­ben­ana­lo­gie" und "Die perfekte Täuschung"