Política perennis

17.12.2020

Angelehnt an der Phi­lo­so­phia perennis, glaube ich, dass allen po­li­ti­schen Strö­mun­gen der gleiche Geist innewohnt. Dadurch, dass Politik nur in und durch einen Staat funk­tio­nie­ren kann und außerhalb davon weder Bestand hat noch Bedarf dafür besteht, ist der Staat alles, worauf sich eine po­li­ti­sche Bewegung fo­kus­sie­ren wird und kann. Das System, in dem diese Bewegung aber statt­fin­det, ist alles, was ihre Anhänger kennen seit sie auf der Welt sind. So wird niemals das System an sich hin­ter­fragt, sondern nur einzelne Facetten.

Ob es eine Fe­mi­nis­tin ist, die gegen das Pa­tri­ar­chat ist oder ein Sozialist, der gegen den Ka­pi­ta­lis­mus ist oder ein Faschist, der gegen den Par­la­men­ta­ris­mus ist, sie alle sind gegen den Staat, ohne es zu merken. Die Wunsch­vor­stel­lung, der diese Leute anhängen, wird niemals erreicht werden und es wird immer eine Un­zu­frie­den­heit gegenüber dem System geben, solange er existiert, da das Problem nicht diese einzelnen Facetten sind, sondern das System an sich.

Der Staat, der in seinem eigenen Interesse handelt und die Menschen und In­sti­tu­tio­nen in ihm nutzt, um selbst weiter fort­zu­be­stehen, wird so einen starken Einfluss auf sie ausüben, dass er ihnen sogar so gut wie es geht das freie Denken abklemmen wird. So werden sie beim Suchen nach Lösungen für die Probleme in der Welt es noch nicht einmal in Erwägung ziehen, über die Optionen nach­zu­den­ken, die ohne den Staat auskommen. Selbst wenn es darum geht, eine bessere Welt zu schaffen, wird die wahre Frage immer lauten: "Wie können wir einen besseren Staat schaffen?". Und jeder Lö­sungs­an­satz wird darum gehen den Staat noch mächtiger zu machen; entweder direkt über eine stärkere Regierung oder indirekt über mehr Ver­net­zung und einer stärkeren Wirt­schaft.

Der moderne Staat von heute – den ich oft auch synonym mit System verwende – hat ihre Anfänge in den ersten kleinen Ge­mein­schaf­ten und Stadt­staa­ten. Weiter ent­wi­ckel­te er sich über Na­tio­nal­staa­ten bis zu den heutigen globalen Staa­ten­bünd­nis­sen. Das ist eine na­tür­li­che Evolution, die er durch­zo­gen hat und lässt sich ver­glei­chen mit den ersten Ein­zellern, die sich zu komplexen Säu­ge­tie­ren ent­wi­ckelt haben. Nur sind im Fall von Staaten wir Menschen die Zellen und unsere Ge­mein­schaf­ten die Organe für ihn. Die ver­schie­de­nen Ent­wick­lungs­stu­fen treten für uns immer anders in Er­schei­nung und so wird für un­be­darf­te Be­ob­ach­ter der Eindruck entstehen, als ob sie von­ein­an­der ab­ge­trenn­te und un­ab­hän­gi­ge Systeme sind und als ob die ver­schie­de­nen po­li­ti­schen Rich­tun­gen andere Vor­stel­lun­gen und Feind­bil­der haben. Den Begriff der Política perennis habe ich aus­ge­dacht, um zu ver­deut­li­chen, dass genau das nicht der Fall ist; dass hinter allen po­li­ti­schen Denk­rich­tun­gen der gleiche Geist steckt – das Konzept des Staates – und dass er solange bestehen bleiben wird, solange es auch Staaten gibt.