Propheten als Vorbild

25.05.2021

Ge­schich­ten aus heiligen Schriften werden uns erzählt, damit wir sehen wie sich Menschen Gottes in gewissen Le­bens­la­gen verhalten haben und wir uns ihr Denken und Handeln als Vorbild nehmen. Wenn Gott zum Beispiel Abraham befiehlt, dass er seinen eigenen Sohn töten soll und dieser den Willen zeigt diesem Befehl zu folgen, ist die Botschaft für uns, dass große Männer vor uns selbst in so einer Lage keinen Zweifel an Gott und seinem Plänen gehegt haben und wir diesem Pfad folgen sollten, denn das ist der Weg, den Gott bei den Propheten gelobt hat.

Was hier aber immer übersehen wird ist, dass Gott zu diesen Propheten direkt kom­mu­ni­ziert hat und wir nicht wissen, ob sie genau so gehandelt hätten, wenn sie sich auf die In­ter­pre­ta­ti­on einer alten Schrift verlassen müssten. Die Deutung eines Textes aus einer anderen Epoche und in einer anderen Sprache wird nicht nur durch die Über­set­zung verzerrt, sondern auch durch den un­ter­schied­li­che kul­tu­rel­len Filter, durch den wir ihn be­trach­ten. Wir hören hier also nicht direkt auf Gottes Befehl, sondern auf das mögliche Resultat unserer Un­fä­hig­keit oder der Un­fä­hig­keit eines Gelehrten. Es wäre also nicht Gott die Autorität hier, sondern einzig der Mensch. Nicht Gott­ge­fäl­lig­keit wäre das Motiv unseres Handelns, sondern blinder Glaube. Daher ist es un­ver­nünf­tig sich das Handeln von Propheten als Analogie für seine eigene Lage zu nehmen.