Rebellische Phase

01.01.2021

Es ergibt Sinn, dass Kinder in der Phase, in der sie am meisten abhängig sind von ihren Eltern, auch am meisten zu ihnen auf­schau­en; in den Alter, in dem sie nicht alleine überleben könnten, sehnen sie sich auch am meisten nach Mutter und Vater. Es ergibt aber keinen Sinn, wieso sie sich in ihrer Ju­gend­pha­se, in der sie immer noch von ihren Eltern abhängig sind – und sei es nur für Le­bens­rat­schlä­ge – sich gegen sie auflehnen sollten. Wieso sollten sie gerade dann einen eigenen Kopf ent­wi­ckeln, wenn sie die Erfahrung der Eltern am meisten brauchen könnten? Es wäre ja ein ganz schlech­tes Timing, den die Natur dafür ein­ge­rich­tet hat.

Der Grund ist ganz einfach: das was die Eltern von ihnen verlangen ist un­na­tür­lich und sie lehnen es in­stink­tiv ab. In jungem Alter ist man in der Regel noch nicht genug So­zia­li­sa­ti­on und Ge­hirn­wä­sche aus­ge­setzt gewesen und daher merkt man direkt, dass einem versucht wird etwas auf­ge­drückt zu bekommen, was der mensch­li­chen Natur wi­der­strebt. Seien es ir­gend­wel­che Ver­hal­tens­re­geln, um in einer künst­li­chen Ge­sell­schaft zu funk­tio­nie­ren oder die Pflicht jeden Tag stun­den­lang auf dem Stuhl zu sitzen und eine Tafel an­zu­star­ren. Alles in einem wi­der­setzt sich dem und daher werden Kinder auffällig und fallen aus dem Muster. Das System reagiert nur damit, dass dieses na­tür­li­che Verhalten als Krankheit be­zeich­net wird, das nur aus­ge­dacht wurde, um es mit Me­di­ka­men­ten zu un­ter­drü­cken.

Es gibt keine re­bel­li­sche Phase, es gibt nur eine un­in­dok­tri­nier­te Phase. Leute, die schon lange ihre Jugend hinter sich haben, haben diese auch längst verdrängt und vergessen, was es heißt, na­tür­li­che Instinkte zu haben. So absurd es klingt, aber ihr gesamtes Verhalten und Denken wurde komplett von So­zia­li­sa­ti­on und Ge­hirn­wä­sche durch­drun­gen, dass sie noch nicht einmal mehr wissen, dass sie früher anders gedacht und gefühlt haben bzw. dass ihr früheres Ich nicht unreif war, sondern natürlich und dass ihr jetziges Ich nicht reif ist, sondern in­dok­tri­niert.