Schreiben

31.12.2020

Wenn ich eine Sache im Hinblick auf das Jahr nicht bereue, dann ist es, dass ich an­ge­fan­gen habe hier zu schreiben. Die Absicht hatte ich schon viel länger und hätte am liebsten auch viel früher damit anfangen sollen. Denn:

(a) einige der Dinge, die ich in Posts behandelt habe, schwirr­ten mir schon viele Jahre im Kopf herum und die Ideen und Analogien bin ich immer und immer wieder durch­ge­gan­gen, aber erst als ich sie auf­ge­schrie­ben habe, haben sie aufgehört mir im Kopf her­um­zu­geis­tern. Ich weiß nicht woran es liegt, viel­leicht war es ein au­to­ma­ti­scher Me­cha­nis­mus meines Gehirns, bestimmte Gedanken in re­gel­mä­ßi­gen Abständen zu wie­der­ho­len, damit sie nicht in Ver­ges­sen­heit geraten. Wenn man sie aber einmal fest­ge­hal­ten hat, ist es so, als ob man sich nun von ihnen lösen und sich anderen Dingen widmen kann.

(b) Schreiben hilft beim Denken. Nicht nur kann man gefühlt schneller denken, sondern auch tiefer in die jeweilige Materie ein­drin­gen. Wenn man es noch nie probiert hat, wirkt es viel­leicht un­glaub­wür­dig, aber im Nach­hin­ein ist es logisch. Denn schrift­li­ches Rechnen funk­tio­niert ja mit Stift und Papier auch schneller und feh­ler­frei­er als reines Kopf­rech­nen, wieso sollte es also mit der geistigen Aktivität in anderen Bereichen anders sein?

(c) Die Zeit vergeht gefühlt langsamer. Vor allem, wenn man sich einen so schnellen Überblick über alle bis­he­ri­gen Posts mit dem je­wei­li­gen Datum machen kann, wie bei mir auf der Über­sichts­sei­te. Selbst Posts, die nur ein paar Monate her sind, kommen mir manchmal so vor, als wären sie viel früher verfasst worden, weil man sich noch erinnern kann, was das für ein Tag war und wo man genau saß, als man es ge­schrie­ben hat und dann weiß, was seitdem alles passiert ist. Dann merkt man, dass das Leben ei­gent­lich er­eig­nis­rei­cher ist, als es den Anschein hat, wenn man mit­ten­drin ist. Auch wenn man einen ganz normalen Job hat und der Alltag sich von Tag zu Tag nicht großartig un­ter­schei­det, sodass im Rückblick das Jahr wie im Flug verging, dienen die Posts als An­ker­punk­te und ziehen die Zeitlinie, die die Er­in­ne­rung einfach zu­sam­men­ge­knüllt hat, wieder aus­ein­an­der und bieten ein rea­lis­ti­sche­res Bild.