Warum es kein Web 3.0 gibt

29.04.2022

Es gibt einen guten Grund, wieso Web3 im Gegensatz zu Web2 nur ein Buzzword ist, kreiert und ver­brei­tet von Ge­schäfts­leu­ten in der Kryp­to­bran­che, um naiven Leuten eine welt­ver­än­dern­de, neuartige Tech­no­lo­gie zu verkaufen. Nun, ist die Tech­no­lo­gie darunter tat­säch­lich neu und anders als unser bis­he­ri­ges zen­tra­li­sier­tes Modell? Ja. Ergibt es einen Sinn die Ver­si­ons­num­mer des Webs deswegen zu in­kre­men­tie­ren? Nein.

Der Grund, wieso man das Internet ab ungefähr 2005 überhaupt Web 2.0 genannt hat, war, dass sich der Umgang mit ihm verändert hat. Während es davor haupt­säch­lich aus sta­ti­schen Seiten bestand, die man besuchte, um sie zu kon­su­mie­ren, konnte man als Nutzer plötzlich selber den Inhalt der Seite verändern. Man konnte auch pro­blem­los und ohne tech­ni­sche Kennt­nis­se selber seine eignen Räume im Internet schaffen und eigene Inhalte ver­öf­fent­li­chen.

Und seit der Ver­brei­tung von Smart­pho­nes konnte man es auch zu­sätz­lich immer und von überall tun. Das ist eine klare Ver­än­de­rung wie man mit dem Medium umgeht und hat daher auch den Namen Web 2.0 verdient.

Wenn wir jetzt aber Dienste im Internet anfangen zu de­zen­tra­li­sie­ren, funk­tio­niert die dar­un­ter­lie­gen­de Tech­no­lo­gie aus der Sicht der Ent­wick­ler viel­leicht anders, aber aus der Sicht des Nutzers fängt man nicht an seinen Umgang mit den Seiten zu verändern. Nach wie vor sind sie dynamisch, nach wie vor kann man eigene Inhalte posten. Man merkt noch nicht einmal, ob man auf einer Web2- oder Web3-Seite ist, wenn es einem nicht gesagt wird.

Wenn wir die De­fi­ni­ti­on der Ver­si­ons­num­mer insoweit verändern, dass sie jetzt nicht nur die User Ex­pe­ri­ence be­inhal­tet, sondern auch die der Pro­gram­mie­rer, dann wären wir jetzt viel weiter als 3.0, denn es gab im Laufe der In­ter­net­ge­schich­te mehrere Ent­wick­lun­gen, die man als mehr oder wenig große Durch­brü­che be­zeich­nen konnte, bspw. die Ent­ste­hung von PHP, die Ent­ste­hung von Ja­va­Script und Ajax, der Trend hin zu Single Page Ap­p­li­ca­ti­ons, die Ver­brei­tung von Ser­ver­less und Cloud Computing. All diese Ent­wick­lun­gen sind andere Ansätze wie man seine Seiten ent­wi­ckeln kann, dennoch verlangt keiner, dass wir eine neue Ver­si­ons­num­mer für das Web brauchen.

Es gibt aber eine andere Ent­wick­lung in den letzten ca. 10 Jahren, die man tat­säch­lich als Web 3.0 be­zeich­nen könnte. Nämlich Stories in Sozialen Medien. Generell das Konzept, dass man Dinge ver­öf­fent­licht mit der Absicht, dass sie bald wieder ver­nich­tet werden. Apps wie Clubhouse fallen genau in diese Sparte. Sie versuchen die Erfahrung im echten Leben möglichst nach­zu­bil­dern – wer live dabei oder schnell genug war, bekommt den Inhalt zu sehen und danach existiert das Gesehene nur noch in der Er­in­ne­rung der Zeugen. So wie auch das Erlebte im echten Leben. Das ist ein klarer Ein­schnitt in den tra­di­tio­nel­len Postings und man könnte es als eine neue Art be­zeich­nen, wie man mit dem Web umgeht.